unic.com - Navigations- und Servicebereich


Inhaltsbereich

alles.klar? 5 Tipps zum Domain-Management und zu den neuen Generic Top Level Domains (gTLD)

Von , und am 18. November 2013

Checkliste für das Domain-Management:

1.       Domain-Namen als Vermögenswerte ansehen
Domain-Namen sind wertvoll und benötigen als Teil des Corporate Branding entsprechende Aufmerksamkeit.

2.       Ein Domain-Management etablieren (Organisation, Prozesse, finanzielle Mittel)
Klare Regelungen zur Registrierung und Freigabe helfen, dass sämtliche wichtigen Domain-Namen registriert werden.

3.       Die eigene Marke schützen
Das Vorgehen bei Markenrechtsverletzungen sollte dem/der Verantwortlichen für das Domain-Management bekannt sein, damit bei Bedarf schnell reagiert werden kann.

4.       Den Launch von neuen gTLD überwachen
Mit einem regelmässigen Monitoring muss geprüft werden, ob allenfalls neue Domain-Namen ins Portfolio aufgenommen werden sollen.

5.       Domain-Management bei der Budgetierung berücksichtigen
Durch die Registrierung von zusätzlichen Domains werden zusätzliche finanzielle Mittel notwendig. Diese müssen in der Budgetierung vorgesehen werden.

Unic_E-Commerce_a

Zu den Schweizerischen Bundesbahnen SBB kommt man im World Wide Web über die Adresse sbb.ch. Von dort aus geht es dann zum Fahrplan, zum Ticket Shop, zu den Apps oder zum Reisebüro. Soweit so einfach. Internetnutzer sind sich gewohnt, dass eine Website über eine länderspezifische Top Level Domain wie beispielsweise .ch erreichbar ist. Das könnte sich in Zukunft ändern. Vielleicht tippen wir irgendeinmal sbb.shop, sbb.fahrplan, sbb.app oder sbb.reisebuero in unseren Browser ein und kommen dann direkt in den gesuchten Bereich. Ohne „.ch/“. Den neuen generischen Top Level Domains sei Dank. Doch der Reihe nach: Was sind (generische) Top Level Domains?

Länderspezifische und generische Top Level Domains
Nebst den länderspezifischen Top Level Domains (TLD) wie .ch, .de oder .at gibt es generische Top Level Domains (gTLD). Das bekannteste Beispiel ist .com. Aktuell gibt es weltweit über 110 Mio. Adressen mit .com. Zum Vergleich: Für die Endung .de sind rund 15 Mio. Adressen registriert. Neben .com gibt es weitere gTLD wie .biz, .info oder .name. Diese wurden aber bisher wenig genutzt.

Das Neue an den neuen generischen Top Level Domains
Für die Domain-Endungen ist global die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zuständig. Nach einem Beschluss der ICANN aus dem Jahr 2011 ist es nun möglich, dass Adressen mit irgendeinem Kürzel oder Wort, eben z.B. .app oder .shop enden können. Im Juli 2013 wurden die ersten vier neuen generischen TLDs gelauncht: .شبكة (Arabisch für Web), .游戏 (Chinesisch für Spiel), .онлайн (Russisch für online) und .сайт (Russisch für Website).

Zudem haben grosse Firmen wie Google, Amazon und Microsoft diverse Anträge für neue TLDs gestellt. Höchste Zeit also, sich um das Thema zu kümmern.

Einfacheres Marketing – aber auch Reputations- und Komplexitätsrisiken
Wie bei vielen neuen Web-Phänomenen herrscht auch beim Thema neue gTLD eine gewisse Verunsicherung. Auf der einen Seite ergeben sich unzählige neue Möglichkeiten. Einfach merkbare Domains wie audi.a3 oder sbb.app werden möglich. Noch kürzer und prägnanter als sbb.ch/app oder audi.ch/a3. Einfach zwei Wörter, mit einem Punkt verbunden. Auch ein regionaler Bezug wird einfacher kommunizierbar, beispielsweise mit Adressen wie post.wien oder sbb.zuerich.

Auf der anderen Seite gibt es wie immer einige Risiken. Die Risiko-Palette reicht von Reputationsschäden (yourbrand.sucks) über Phishing (wenn Betrüger sich sbb.shop registrieren und Passwörter abfragen würden) bis zu komplexerem Domain-Management. Statt sbb.ch wären dann all die zu Beginn erwähnten Kombinationen zu registrieren.

Was ist zu tun?
Die folgende Checkliste gibt einen (nicht abschliessenden) Überblick, was Firmen angesichts der kommenden Masse von neuen gTLD tun sollten.

1.       Domain-Namen als Vermögenswerte ansehen
Es klingt banal, aber nach wie vor wird das Domain-Management in vielen Unternehmen stiefmütterlich behandelt. Domain-Namen sind ein Teil der Marke resp. des CI/CD und haben deshalb einen nicht zu unterschätzenden Wert. Es lohnt sich daher, zunächst eine Liste der bestehenden Domain-Namen zusammenzustellen und zu prüfen, ob allenfalls weitere Registrierungen von Domain-Namen angebracht sind oder ob Domain-Namen veräussert werden können.

 2.       Ein Domain-Management etablieren (Organisation, Prozesse, finanzielle Mittel)
In einer passenden Organisationseinheit (z.B. E-Business, Marketing oder Informatik) sollte eine Stelle etabliert werden, die ein aktives Domain-Management betreibt. Dazu gehört mehr als nur die Freigabe der jährlichen Rechnung für die Domainkosten. Aufgaben des Domain-Managements sind beispielsweise die Neuregistrierung von Domains, der Markenschutz oder ein kontinuierliches Monitoring von Trends (wie z.B. der nTLD). Auch die Prozesse zum Management der Domain-Namen sollten geregelt werden. So kann vermieden werden, dass wertvolle Domains verkauft werden, weil sie auf den ersten Blick nicht mehr gebraucht werden. Dies passiert manchmal beispielsweise bei nicht mehr aktiv kommunizierten, in den Köpfen der Kunden aber nach wie vor verankerten Marken.

3.       Die eigene Marke schützen
Die ICANN stellt eine Reihe von Mechanismen zum Markenschutz zur Verfügung. In der Datenbank „Trademark Clearinghouse“ können eigene Marken eingetragen werden (150 Dollar pro Marke). In so genannten „Sunrise Periods“ (30 Tage nach dem Launch einer neuen TLD) erhalten Markeninhaber ein Vorrecht für die Domain-Namen-Registrierung.

Wer als Markeninhaber eine Copyright-Verletzung feststellt, hat mit den Verfahren „Uniform Rapid Suspension System “ (URS) oder „Uniform Domain Name Dispute Policy“ (UDRP) eine Möglichkeit, seine Markenrechte geltend zu machen.

 4.       Den Launch von neuen TLD überwachen
Nur für wenige Unternehmen kam es in Frage, eine Bewerbung für eine neue gTLD einzureichen. Die Registrierungsgebühr von 185‘000 Dollar pro gTLD (Quelle: ICANN) war eine hohe Barriere. Entsprechend wichtig ist es jedoch, zu überwachen, welche neuen TLD bei der ICANN beantragt resp. vergeben wurden. So lässt sich beispielsweise feststellen, wann TLDs wie .shop verfügbar werden. Wird eine passende neue TLD frei, sollte der nächste Schritt, also eine Vormerkung für eine Domain und die Prüfung einer Domain-Namen-Registrierung, eingeleitet werden. Einen Dienst zur Vormerkung von Domain-Namen bietet beispielsweise switchplus.

Weitere Informationen zu den Phasen bei der Vergabe der neuen gTLD sind zum Beispiel auf den Switchie-Seiten von switchplus zusammengestellt.

5.       Domain-Management bei der Budgetierung berücksichtigen
Mit den neuen Top Level Domains wird das Domain-Management in Zukunft tendenziell teurer. Gerade für grosse und global tätige Firmen kann dies einen deutlich erhöhten Budgeteinsatz bedeuten. Bereits bei der Budgetierung sollte dies deshalb mit eingerechnet werden, um die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung zu haben. Gemäss Wolfram Schmidt, CEO von switchplus, sollte ein grösseres Unternehmen dafür rund 30‘000 CHF pro Jahr vorsehen.

Soll man wirklich jetzt schon aktiv werden?
Wie bei vielen Entwicklungen ist auch bei den neuen TLDs nicht klar, wohin die Reise gehen wird. Wer digitales Business betreibt, sieht immer wieder Tendenzen, die viel Potential zu haben scheinen und einige Zeit später verschwinden (z.B. Second Life). Aber es gibt auch immer wieder Phänomene, die unscheinbar beginnen, aber gross werden und bleiben (z.B. Social Media oder das iPhone).

Die neuen gTLD dürften in die zweite Gruppe gehören. Die ersten neuen gTLD werden aktuell gelauncht. Grosse Firmen wie Amazon und Google haben sich beworben. Und in der Schweiz wird das BAKOM die Domain .swiss launchen (siehe Interview im SWITCH Journal Oktober 2013, S. 16).

Es dürfte zwar noch etwas dauern, bis Firmen und Nutzer das volle Potential der neuen Top Level Domains für eine andere Internetnutzung ausschöpfen. Momentan geht man davon aus, dass die ersten neuen gTLD erst Mitte 2014 frei im Markt angeboten werden. Aber auch das Etablieren eines Domain-Managements und Monitorings der neuen TLDs in einer Organisation benötigt seine Zeit. Es lohnt sich also, das Thema anzupacken.

> Zum Unic Blitzlicht: Interview mit Wolfram Schmidt, CEO switchplus ag, zum Thema generische Top Level Domains

Google+ Profile der Autoren: Matthias Schmid

Diesen Beitrag kommentieren

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.