2010 lancierte 3M Österreich im Rahmen der Initiative „Zukunft-Innovation“ eine Online-Innovation-Community. Unic zeichnete verantwortlich für Konzeption, die Realisierung und den Betrieb. Ziel war es Unternehmen und kreative Innovatoren zusammenzubringen, um das enorme Potenzial der Internetcommunity – Schlagwort „Crowd-Sourcing“ – für Firmen und Institutionen nutzbar zu machen, womit 3M massgeblich zur Förderung einer Innovationskultur beiträgt.

Nach dem Go-Live der Plattform haben wir die Möglichkeit genutzt mit Moritz Schuschnigg, dem Leiter der Corporate Communication 3M Österreich sowie Projektleiter von Zukunft-Innovation zu sprechen, um ihm einige Fragen zu stellen.
Was hat 3M dazu bewegt der Öffentlichkeit eine Open-Innovation-Plattform zur Verfügung zu stellen?
3M steht grundsätzlich für die Förderung von Innovation ein, da Produktneuerungen in unserem Tätigkeitsfeld von enormer Bedeutung und Grundlage unseres Erfolgs sind. In den Leitlinien des Unternehmens ist das Ziel verankert, 30 Prozent des Umsatzes mit Produkten zu erreichen, die jünger sind als vier Jahre. 3M möchte nun im Innovationsbereich sein eigenes Know-How einbringen und einen verstärkten Erfahrungsaustausch mit Unternehmen und Institutionen unterstützen. Mit der Initiative Zukunft-Innovation wollen wir ganz bewusst einen neuen Weg des Innovationsmanagements gehen, der sich das Prinzip von Crowd-Sourcing zu Nutze macht und so Unternehmen nach aussen hin öffnet.
Welchen Nutzen hat 3M von der Plattform?
Bei der Initiative Zukunft-Innovation handelt es sich um einen gesellschaftlichen Beitrag von 3M zur Förderung und Stärkung einer Innovationskultur im deutschsprachigen Raum. Wir ziehen keinen direkten wirtschaftlichen Nutzen aus der Plattform, da der betreibende Verein von uns strikt getrennt wird, und wir selbstverständlich keinen Zugriff auf die Konzepte der Innovatoren haben. Dies zu betonen, ist uns besonders wichtig. Auch erwirtschaften wir keinen Gewinn aus den Aktivitäten, da allfällige Überschüsse rein dem Betrieb der Plattform, deren Weiterentwicklung sowie den Aktivitäten des Vereins dienen. Die 3M selbst kann sich über die Plattform aber weiterhin als Botschafter für Innovation und als Innovation-Leader positionieren, denn wir werden auch in Zukunft den Weg über Open-Innovation nutzen.
Welche Tätigkeiten kann der Verein mit der Plattform finanzieren?
Wir planen in Zukunft etwa verstärkt Innovationswettbewerbe für Schulen zu unterstützen, um schon bei den Jüngsten die Innovationsfreude zu wecken. In weiterer Folge könnten wir auch Stipendien finanzieren und Praktikumsplätze für Schüler und Studenten vermitteln. Es ist 3M ein besonderes Anliegen hier fördernd einzugreifen, um das Bewusstsein für Innovation zu steigern.
Wer sind die Zielgruppen der Plattform?
Zielgruppen der Plattform sind sowohl Unternehmen und Institutionen, die nach Neuerungen und Feedback suchen, als auch alle Privatpersonen, die als Innovatoren auf der Plattform die Möglichkeit haben, ihre guten Ideen einzubringen. Dabei haben diese Innovatoren auch die Möglichkeit attraktive Prämien von bis zu 600 Euro pro Frage zu erhalten. Diese Prämien werden durch die Unternehmen zur Verfügung gestellt, die für eine Frage 2‘000 Euro bezahlen.
Wo liegt der Vorteil der Plattform für Unternehmen und Innovatoren?
Unternehmen haben unkompliziert und vor allem innerhalb kurzer Zeit die Gelegenheit, eine breite Gemeinschaft nach Ideen zu neuen Produkten oder nach Feedback für bestehende Services zu fragen. Hierbei haben sie den Vorteil, dass sie auf Ideen ausserhalb ihres Unternehmens zugreifen können und so frischen Wind in die Entwicklung bringen. Für Innovatoren besteht die Möglichkeit, ihre Ideen in den Innovationsprozess einzubinden, dabei Kontakte zu den fragenden Unternehmen zu knüpfen und auch Prämien für ihre guten Ideen und Konzepte zu erhalten.
Was waren die grössten Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Projekts?
Die grösste Herausforderung war es zunächst, den Open-Innovation Ansatz und seine Vorteile aufzubereiten und den Verantwortlichen Entscheidungsträgern zu erklären. Der Vorteil der grossen Schwungmasse verglichen mit dem Risiko der Geheimhaltung von Betriebsgeheimnissen war nicht sofort ersichtlich und bedurfte auch eines Mind-Changes in den Führungsetagen. Letztendlich war es aber möglich auch alle Partner der Plattform von den grossen Vorteilen, die sich durch den Einsatz des Open-Innovation Ansatzes ergeben, zu überzeugen.
Wie wird die Plattform bis jetzt von den Firmen angenommen?
Durchaus gut! Wir haben bereits mehrere Fragen namhafter regionaler und internationaler Unternehmen, u.a. Siemens und IBM, die Markt-Feedback zu ganz unterschiedlichen Themengebieten erhalten wollen. So hat etwa Siemens gefragt, welche Infrastruktur gebraucht wird, damit Elektroautos in Zukunft eine Chance haben. IBM wollte durch die Plattform in Erfahrung bringen, mit welchen Anwendungsgebieten des Web 2.0 Firmen in Zukunft weitere Geschäftsfelder erschliessen können.
Wie sieht es mit den Zahlen aus?
Wir sind sehr zufrieden. Die Plattform ist jetzt seit März 2010, also etwa 14 Wochen, online. In dieser Zeit wurden von den Unternehmen 11 Fragen gestellt, und zu diesen 11 Fragen haben 700 Innovatoren bisher mehr als 900 Ideen geliefert. Die Qualität der erfassten Vorschläge ist durchwegs gut, und die Unternehmen sind sehr zufrieden mit dem Erreichten.
Was geschieht im Anschluss mit den Konzepten?
Auch hier haben wir bereits eine Erfolgsgeschichte zu erzählen. Die Firma Veropa, ein Spezialist für Autozubehör aus Kunststoff, ist bereits damit beschäftigt, eines der eingereichten Konzepte zusammen mit einem Partner umzusetzen. Wie erhofft und geplant verschwinden die Konzepte demnach nicht in einer Schublade, sondern sind von veritablem Wert für das fragestellende Unternehmen.
Wie gestaltet sich der Betrieb der Plattform?
Der Betrieb der Plattform wird in Wien von der Unic GmbH durchgeführt. Wir arbeiten auch eng mit Unic sowie mit den Innovatoren und Firmen zusammen, um die nächsten Entwicklungsschritte und Verbesserungspotentiale der Plattform zu identifizieren und im Anschluss umzusetzen. Das nächste Release wird bereits entwickelt und geht mit einigen Verbesserungen sowie einem neuen Produkt Anfang Juli 2010 live. Sie werden überrascht sein!
Wie erfolgt die Kommunikation mit den Innovatoren und Unternehmen?
Ganz zeitgemäss haben wir uns mit den Innovatoren für eine Kommunikation über Facebook und Twitter entschieden. Hier erfahren sie alle Neuigkeiten und Wissenswertes rund um Zukunft-Innovation. Unternehmen wiederum werden klassisch über E-Mail angeschrieben. Zufriedene Unternehmen sowie Menschen, die von www.zukunft-innovation.com überzeugt sind, sollen und dürfen uns natürlich gerne weiterempfehlen.
Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft. Wo sehen Sie die Plattform in 6 Monaten?
In 6 Monaten wollen wir mindestens 1‘200 aktive Innovatoren auf der Plattform haben und etwa 40 Unternehmensfragen durch diese beantwortet wissen. Um dieses Ziel zu erreichen, verbessern wir laufend unser Serviceangebot, die Funktionalitäten der Plattform und gestalten dadurch die Prozesse so transparent wie möglich.

Keine Kommentare zu diesem Artikel