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Foursquare & Gowalla: Kurzer Frühling der Location Based Social Networks?

Von am 5. Januar 2010

Ihre Freunde haben das Smartphone viel öfter als ohnehin in den Händen? Sie zücken ihr iPhone beim Chinesen über Mittag und bei jedem S-Bahn-Stopp? Dies sind deutliche Symptome des neusten Mobile Hypes: Sie verorten sich selbst. Mit Foursquare oder Gowalla.

Beide Dienste machen dasselbe: Sie verbinden Freunde (wie andere soziale Netzwerke auch) und verorten deren aktuelle Standorte. Das tun sie (noch) nicht automatisch über die GPS-Position des Mobiltelefons, sondern durch die ausdrückliche Handlung des Benutzers. Dieser meldet sich an einem bestehenden „Spot“ an oder erfasst einen neuen Ortspunkt.

Startbildschirm von Foursquare, Profilscreen und Spot Unic von Gowalla

Startbildschirm von Foursquare, Profilscreen und Spot Unic von Gowalla

Foursquare und Gowalla sind standortbezogene, community-basierte Online-Spiele mit drei wesentlichen Hauptkomponenten:

  1. Das Spiel um Punkte
    Der Benutzer erhält bei jeder Verortung Punkte und manchmal auch Medaillen (etwa beim Erreichen bestimmer Spiele-Levels). Wer sich innerhalb eines Zeitraums am häufigsten an einem Spot anmeldet, wird „Bürgermeister“. Einige Gastronomen haben bereits das Geschäftspotenzial dahinter entdeckt und spendieren dem aktuellen Bürgermeister Gratisgetränke. Das Spielprinzip von Gowalla und Foursquare unterscheidet sich kaum. Bei Gowalla etwa  können an den eroberten Orten zusätzlich virtuelle Dinge gefunden oder hinterlegt werden.
  2. Der Soziale Städteführer
    Da die Spots kommentiert und mit Informationen und Tipps ergänzt werden können, eignen sich die Dienste auch als soziale Städteführer. Statt die Läden an der Bahnhofstrasse zu Fuss zu erkunden, kann ich mich auch bequem vom Starbucks aus über das Angebot im näheren Umkreis informieren.
  3. Ein mobiler Freundefinder
    Auf dem Willkommens-Bildschirm von Foursquare sieht man sofort, welche Freunde sich zuletzt wo angemeldet haben. Das haben zuvor schon andere Dienste geleistet, aber noch nie in einem derart deutlichen Kontext. Befinde ich mich gerade in der Bar A im Ausgang und sehe, dass ein Freund in Bar B in der Nähe ist, könnte mich dies durchaus dazu bringen, von A nach B zu gehen. Andere machen dasselbe, etwa per SMS.

Das nächste grosse Ding nach Twitter?
Die Anzahl meiner Kontakte bei Twitter und Facebook, die einen der beiden Dienste nutzen, ist in den vergangenen Wochen rasant angestiegen. Freunde wollen jetzt plötzlich nicht nur mitteilen, was sie gerade tun, sondern auch, wo sie gerade sind.

Geobasierte Online-Dienste werden sich im 2010 zu einem veritablen Hype entwickeln. Der Spieltrieb wird dazu beitragen: Habe ich mehr oder weniger Punkte als X oder Y? Oder: Wer wird „Mayor“ im Hauptbahnhof Zürich?

Wie jedes Spiel können aber auch Foursquare und Gowalla eintönig werden. Besonders weil sie zeitintensiv sind: Um vorne mitzuspielen, muss man sich ständig anmelden, um Punkte zu sammeln. Spätestens nach dem dritten mittaglichen Gang zur Bäckerei, dem Coop Pronto oder dem Chinesen wird dies langweilig.

Was aber ist mit dem Faktor des sozialen Städteführers? Auch dafür gibt es bereits bessere Dienste wie etwa Qype oder Yelp. Lieber lese ich ausführliche Benutzerrezensionen als einzeilige Statusmeldungen wie etwa diese aus dem Café Ernst: „Vermicelles essen. Unbedingt!“. Versteht der Autor überhaupt etwas von Vermicelles? Das jedenfalls kann er mir in drei Worten nicht glaubhaft vermitteln.

Und der Gewinner ist: Facebook
Was bleibt ist die treibende Funktion des mobilen Freundefinders. Und genau hier haben Foursquare, Gowalla & Co. vermutlich schon verloren, bevor sie überhaupt einer grösseren Nutzerschaft bekannt werden. Wie schon bei der von Twitter abgeschauten Statusmeldung dürfte Facebook diesen Trend übernehmen und letztendlich massentauglich machen.

Das weltweit grösste soziale Netzwerk ist dafür prädestiniert:

  • Facebook-Benutzer führen und pflegen bereits eine grosse Anzahl Kontakte
  • Facebook verfügt über ein (wenn auch verbesserungswürdiges) System zum Schutz der Privatsphäre und die entsprechenden Voraussetzungen in den Nutzungsbestimmungen
  • Facebook-Applikationen sind für alle wichtigen Mobileplattformen mit GPS verfügbar (iPhone) oder sogar vorinstalliert (Android, Palm WebOS).

Möchten Sie zum 60. Todestag von George Orwell ausprobieren, wie es sich anfühlt, sich auf der grossen Web 2.0-Map ständig selber zu verorten? Spielen Sie Foursquare oder Gowalla.

Foursquare ist erhältlich für die Plattformen iPhone, Android, Palm Pre und Blackberry.
Gowalla ist erhältlich als App für iPhone sowie als Mobil-optimierte Site m.gowalla.com.

2 Kommentare

  1. andre.roesti sagt:

    In unserem ländlichen Dörfchen nahe Thun sind solche Trends bisher noch nicht zu erkennen. Auch wenn meine Mitschüler alle meine Freunde auf Facebook sind – bis zu Gowalla haben sie noch nicht gefunden.

    Auf Twitter jedoch habe ich schon einige male Meldungen von Gowalla gelesen, da sich die Geeks wohl öfter dort herumtreiben. :) Ich persönlich werde jedoch nicht damit beginnen, allen mitzuteilen, wo ich bin. Gowalla bietet mir zu wenig, im Verhätlniss dazu, was ich Gowalla preisgebe.

    Gowalla wird also wohl ein Hype bleiben und sich nicht so lange halten können. So jedenfalls lautet meine Prognose.

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