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ZKB: “Wir gestalten künftig auch andere Online-Bereiche barrierefrei”

Von Philippe Surber am 18. November 2009

2007 hatte die Zürcher Kantonalbank (ZKB) zusammen mit Unic ihren Online-Auftritt erneuert. Dabei sollten auch die Bedürfnisse von behinderten Menschen unterstützt werden. Dem Projektleiter René Weiss hatten wir für ein internes Blog bereits damals ein paar Fragen gestellt. Seine Antworten sind unverändert aktuell.

Unic Magazin: http://www.zkb.ch wurde mit dem höchsten in der Schweiz zertifizierten Qualitätsgrad AA+ ausgezeichnet. Was verspricht sich die Bank davon?

René Weiss: Die ZKB verspricht sich davon einen Internetauftritt zur Verfügung zu stellen, der möglichst viele Menschen durch seine optimierte Benutzerfreundlichkeit erreicht. Die ZKB bietet mit dem neuen Internetauftritt Informationen für alle Interessierten und adressiert nicht nur eine Teilgruppe. Welche Unternehmung kann es sich heute noch leisten potenzielle Kunden vom Informationsangebot bewusst fernzuhalten?

Abgesehen von den direkten Adressaten. Hat die barrierefreie Website weitere Vorteile?

Für die ZKB gibt es nur „direkte Adressaten“ – nämlich alle Menschen, welche die Website besuchen möchten. Das heisst, die Vorteile der Barrierefreiheit wirken sich direkt auf alle Website-Besucher aus. Als Vorteile auf inhaltlicher Ebene sind unter anderem die klare Navigationsstruktur, die übersichtliche und verständliche Textgestaltung sowie die Auszeichnung von HTML-fremden Dateien (z.B. PDFs) zu nennen. Auf der visuellen Ebene die guten Kontrastwerte sowie das elastische Design mit dem die Schriftgrössenskalierung realisiert worden ist und aus technischer Sicht die Einhaltung der Standards, was die Browserkompatibiltät, die Suchmaschinentauglichkeit und Releasefähigkeit positiv beeinflusst. Die Barrierefreiheit öffnet somit die Tür zur ZKB auf vielfältige Weise.

Konnten Sie den Erfolg der Barrierefreiheit messen?

Die Messung der Barrierefreiheit ist bereits vom Projektbeginn an notwendig gewesen, um sicher zu stellen beim Projektabschluss tatsächlich erfolgreich die Zugänglichkeit realisiert zu haben. Von externer Seite liess die ZKB die erfolgreiche Herstellung der Barrierefreiheit durch die Stiftung Zugang für alle zertifizieren. Noch wichtiger für die ZKB sind allerdings die positiven Rückmeldungen von internen und externen Benutzern in Bezug auf die verbesserte Benutzerfreundlichkeit der neuen Website www.zkb.ch. Ein weiterer messbarer Erfolg ist die sehr gute Listbarkeit in den Suchmaschinen.

Wie sind Sie das Projekt der barrierefreien Website angegangen? Welche Vorbereitungen waren dafür notwendig?

Nach ausführlicher Beschäftigung mit dem Thema Barrierefreiheit konnte ich mit meinen Argumenten in kurzer Zeit viele Mitstreiter für die Sache finden. Das Projektteam war von Beginn an von der Sache begeistert. Die Anforderungen der Barrierefreiheit wurden deshalb bereits in der ersten Sekunde des Projekts berücksichtigt, eingeplant, realisiert und überprüft. Grafische, inhaltliche und technische Anforderungen bzw. Richtlinien wurden definiert und dienten als Richtlinien für alle Beteiligten vom Software Engineer bis zum Redaktor. Regelmässig wurde auf die Thematik sensibilisiert und mit Fachexperten Lösungen gesucht. Notwendig war darüber hinaus die gezielte Aus- und Weiterbildung, da bis anhin das Know-how im Bereich der Barrierefreiheit noch nicht ausreichend vorhanden war. Die Einhaltung der Barrierefreiheit war immer und ist immer noch ein erklärtes Projektziel.

Ein Relaunch einer Website vom Umfang der ZKB ist per Definition schon ein Grossprojekt. Was war entscheidend für eine gleichzeitig durchgeführte, effiziente, kostengünstige und praktikable WCAG-Konformität?

Entscheidend für die Praktikabilität des Projekts war, dass die Barrierefreiheit bereits beim Projektstart als Anforderung definiert worden ist und deshalb klare Richtlinien vorhanden waren. Die Komplexität liess sich zusätzlich reduzieren, weil einerseits entschieden wurde neue Templates zu verwenden sowie andererseits alle Informationen auf der Website neu aufzuarbeiten. Auf bestehende Inhalte wurde deshalb kaum zurückgegriffen. Die zusätzliche Ausbildung der involvierten Techniker war zu Beginn des Projekts ein Kostentreiber, welcher sich aber im Projektablauf und in der Zukunft durch effizientere Programmierung und die gesteigerte Qualität amortisieren wird. Zusammengefasst: Ist die Barrierefreiheit von Anfang als Anforderung bekannt, lässt sich diese kostengünstig und effizient realisieren.

Welches waren die grössten Herausforderungen im Rahmen des Projektes?

Im Netz sind zahlreiche Richtlinien, Leitlinien und Foren zum Thema Barrierefreiheit zu finden. Die reale Umsetzung ist dann aber eben keine graue Theorie, sondern eine praktische Herausforderung. Eine weitere Herausforderung war die neue Website in verschiedenen Browsern ohne zu grosse visuelle Einschränkungen darstellen zu können. Da im Bereich der Umsetzung der Barrierefreiheit und bei der Realisierung eines elastischen Designs zum Zeitpunkt des Projektbeginns noch wenig Know-how vorhanden war, musste das Wissen oftmals selbstständig erarbeitet werden. Motivierte und ehrgeizige Projektmitarbeiter sowie eine stetige Qualitätssicherung durch Experten waren deshalb für den Projekterfolg unabdingbar.

Das Corporate Design der ZKB hat fällt nicht gerade durch markante Kontraste auf. Wie konnten die Vorgaben der WCAG 1.0 bezüglich dem Farb- und Helligkeitskontrast in Einklang gebracht werden?

Die ZKB Farbwelt war gegeben, deshalb haben wir uns bei der Erstellung des Designs vor allem auf die Helligkeitsdifferenz fokussiert. Die Farbdifferenz haben wir so gut wie möglich angestrebt.

Barrierefreies Programmieren ist die eine Seite. Die andere ist die Inhaltspflege. In einem Film der Stiftung Access 4 All etwa moniert ein sehbehinderter Anwender den fehlenden Alternativtext eines Imagebildes. Wie gehen Sie bei der ZKB diese Herausforderung an?

Alle Bilder werden bei uns – sofern sinnvoll – alternativ mit einem Text beschrieben. Dafür wurde im Content Management System der ZKB ein entsprechendes Eingabefeld realisiert. Die Redaktoren wurden geschult, um eine sinnvolle alternative Beschriftung hinterlegen zu können. Zudem werden alle Inhalte vor der Liveschaltung qualitätsgesichert. Bei Image-Bildern, handelt es sich um Bilder, welche eine Emotion auslösen sollen, gleichzeitig aber keinen Informationsgehalt besitzen. Solche Bilder sind gemäss der WCAG mit einem leeren ALT-Attribute (alt=” “) zu versehen, damit die Sprachausgabe von blinden Menschen diese Bilder ignoriert und nicht vorliest. Bei ALT-Attributen gilt die Regel „so viel wie notwendig beschreiben, aber nicht mehr als unbedingt notwendig, um die Informationsaufnahme nicht unnötig zu verlangsamen“.

Sie bieten nicht wenige Ihrer Unterlagen auch im Format PDF für den Adobe Acrobat Reader an. Sind Sie hier mit besonderen Herausforderungen konfrontiert?

Das Ziel der ZKB ist es auch PDF-Dokumente barrierefrei anzubieten. Die bereits vor dem Relaunch erstellten PDF-Dateien sind momentan nur eingeschränkt zugänglich. Um die bestehenden Dokumente nach und nach ersetzen zu können, wurden die Redaktoren der ZKB speziell geschult. Neu erstellte PDF-Dateien erfüllen bereits die Standards der Zugänglichkeit.

Das Web wird immer multimedialer. Neue Techniken und Möglichkeiten wechseln sich mit rasanter Geschwindigkeit ab. Hat das Ziel der Barrierefreiheit Sie davon abgehalten, solche neue Techniken einzusetzen?

Nein, es konnten ohne Einschränkung alle für die ZKB Website notwendigen Funktionalitäten realisiert werden.

Angenommen der Relaunch Internet der ZKB stünde erst morgen ins Haus. Was würden Sie anders machen?

In Bezug auf die Barrierefreiheit würden wir das gleiche Vorgehen wählen.Mit Sicherheit wäre die Abwicklung eines solchen Projekts nun wesentlich einfacher, weil das Know-how bereits vorhanden wäre und nicht mehr zusätzlich aufgebaut werden müsste.

Die Stiftung «Access 4 All» hat die Website der ZKB mit dem höchsten in der Schweiz zertifizierten Qualitätsgrad AA+ ausgezeichnet. Haben Sie auch direktes Feedback von Ihren Kunden erhalten?

Auf die Zertifizierung hin keines, auf die Barrierefreiheit dagegen haben wir durchweg positives Feedback, auch von Menschen mit Behinderung erhalten. Das Feedback ist uns Ansporn nicht nur den Internetauftritt www.zkb.ch, sondern auch andere Onlinebereiche für alle Menschen zugänglich zu gestalten.

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