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Ein Picnic an der Amstel: Ist Facebook die neue BBC?

Von am 30. September 2009

Geht es nach dem selbsternannten Mediafuturisten Gerd Leonard, hat Facebook eine blühende Zukunft. Das soziale Netzwerk enwickelt sich nicht nur zum neuen “sozialen Betriebssystem”, sondern wird auch die grossen Rundfunkgesellschaften wie BBC als “Peercaster” (Medienstream-Verteilnetzwerk) ablösen.

Ralf Leonard an der Picnic09 (Bild: Denkbeeldenstorm, http://bit.ly/HlDYP)

Gerd Leonard an der Picnic09 (Bild: Denkbeeldenstorm, http://bit.ly/HlDYP)

Zum vierten Mal fand Ende September in Amsterdam der Zukunftskongress Picnic statt. Die dreitägige Veranstaltung ist internationale Konferenz, Festival und Labor gleichermassen. Während dreier Tage erörtern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neue Ideen in den Bereichen Medien, Technologie, Unterhaltung, Kunst und Wissenschaft. Der in Basel wohnhafte deutsche Musiker und Autor Gerd Leonard trat an der Konferenz als Mediafuturist auf.

Wenn Mediafuturisten in die Glaskugel blicken
“Die Zukunft von Social Media” lautete der Titel des Referates von Leonard. Seine Kernaussagen:

  • Alles Offene wird sozial. Bisherige Anmeldeprozesse für Netzwerke werden abgelöst durch Single-Sign-On-ähnliche Systeme wie Facebook Connect, OpenID oder OpenSocial.
  • Verschlossene Unternehmungen werden sich – gegenüber Kunden und Nicht-Kunden – öffnen müssen. Die Öffnung wird zum Kernpunkt für die Marktteilnehmer.
  • Facebook wird das neue soziale Betriebssystem und löst herkömmliche Einwegsender als Mehrkanalsender ab.
  • Extreme Reputations-Ökonomie wird zur Herausforderung: Fehlende akkurate und zeitnahe Daten über Personen oder Unternehmen führen zu einer virtuellen Inexistenz.

Konkrete Prognosen: In 18 Monaten zur Social Augmented Reality
Leonard unterlegt seine Kernaussagen mit einer Reihe konkreter Prognosen. So werde schon in 18 Monaten die Augmented Reality [1. Definition gemäss Wikipedia: Unter Erweiterter Realität versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahnehmung. Dies kann alle menschlichen Sinne umfassen; häufig wird jedoch unter erweiterter Realität nur die visuelle Darstellung von Informationen verstanden.] allgegenwärtig sein. Tatsächlich ist bereits dieses Jahr an den Tennis Championships in Wimbledon eine entsprechende Applikation erprobt worden. Auch im iPhone-App-Store befinden sich bereits mehrere Applikationen, die sich die neue Technik zunutze machen. Ebenfalls auf der kurzen Zeitachse sieht Leonard “real time, social, mobile”. Feedbacks, Bewertungen, Kommentare und Tagging erfolgen immer unmittelbarer und von überall her. Hotelzimmer-Ratings werden nicht mehr länger nach der Rückkehr aus den Ferien von zuhause aus erfasst, sondern direkt vor Ort abgesetzt.

Schon innert Jahresfrist sieht Leonard den Durchbruch für automatisierte soziale Agenten kommen. Solche Programme, häufig unterstützt durch Lokalisierungsdienste, stehen seit dem weltweiten Erfolg des iPhone vor einem globalen Durchbruch. So gab etwa der britische Mobilfunkriese Vodafone vor wenigen Tagen die Lancierung von Vodafone 360 bekannt. Der Dienst soll es Mobile- und PC-Nutzern ermöglichen, alle Online-Aktivitäten unter einer einheitlichen Oberfläche zu betreiben. Unterstützt werden verschiedenste Online-Dienste wie Instant-Messaging, soziale Netzwerke, E-Mails oder das Teilen von Bildern.

Unterwegs zum digitalen Jetlag
In Anlehnung an Chris Andersons Bestseller “Free” [1. Audiobook: Kostenloser Download, 285 MB] prophezeit Leonard auch, dass in drei bis fünf Jahren 30 % aller Inhalte kostenlos verfügbar sind. Im gleichen Zeitraum wird die Erde einem grossen digitalen, globalen und sozialen Gehirn gleichen. Ein Drittel der Weltbevölkerung wird sich in fünf Jahren aktiv in computergestützten Netzwerken engagieren. Die Kosten für die permanente Kontaktbereitschaft bewegen sich gegen Null. Doch bevor es soweit ist, wird uns ein anderes ernsthaftes Problem beschäftigen: der digitale Jetlag als neue Zivilisationskrankheit. Immer mehr Menschen werden sich der Überdosis an Social Media zu entziehen suchen.

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