20 Jahre WWW: Informationsmanagement – Ein Vorschlag

Von Lukas Jaggi am 9. April 2009, Keine Kommentare

Was haben Johannes Gutenberg und Tim Berners-Lee gemeinsam? Der Erfinder der Druckerpresse und der Begründer des World Wide Web schaffen ungeahnte Möglichkeiten der Informationsverbreitung und weltweiten Kommunikation – mit weitreichenden Folgen.

Ohne Gutenberg, den “Mann des Jahrtausends”, gäbe es keine Klassiker, Zeitungen oder Schundromane. Seine rationelle und erschwingliche Informationsverbreitung am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit bildet die Basis für Reformation, Aufklärung, Bildung und Demokratie.

Das System von Tim Berners-Lee zum Informationsaustausch löst in kurzer Zeit tiefgreifende Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft aus. Die freie Nutzung des Internets ermöglicht ungeahnte Formen der Zusammenarbeit. Kürzlich wurde am europäischen Laboratorium für Teilchenphysik (CERN) in Genf der 20. Geburtstag des WWW gefeiert.

Information Management: A Proposal
Im März 1989 – die Unic-Gründer haben ihr Studium noch nicht begonnen – konkretisiert der britische Physiker Sir Tim Berners-Lee die Pläne für ein elektronisches Informationsnetz. Sein Betreuer Mike Sendell kommentiert das 20-seitige Dokument (”Information Management: A proposal”) mit “vage, aber sehr spannend” und gibt das Projekt ein Jahr später zur weiteren Bearbeitung frei.

Titelbild des Dokuments von Tim Berners-Lee von 1989

Titelbild des Dokuments von Tim Berners-Lee von 1989

Berners-Lee arbeitet am CERN als Softwareentwickler mit zahlreichen Computerumgebungen und heterogenen Netzwerken. Dies und die unterschiedlichen Bedürfnisse und Arbeitsmethoden der weltweit tätigen Wissenschaftler führen zur Idee, “alles mit allem zu verknüpfen”. Basierend auf bestehenden Technologien entwickeln Tim Berners-Lee und Robert Cailliau alle Basiselemente, die noch heute das Web ausmachen: die “Hypertext Markup Language”, das “Hypertext Transfer Protokoll”, ein Adressenschema (”Universal Resource Identifier”) und einen Browser/Editor namens “WorldWideWeb”.

Ende 1990 geht die erste Website unter der Adresse info.cern.ch online. 1993, drei Jahre vor Gründung der “Unic Internet Consulting” als einfache Gesellschaft, legt das CERN das Fundament für den Erfolg der Idee. Das Institut verzichtet auf die Patentierung und gibt das Web für die Öffentlichkeit frei. Im Oktober sind bereits 200 Web-Server weltweit vernetzt. Tim Berners-Lee zieht 1994 in die USA, um am Massachusetts Institute of Technology das World Wide Web Consortium (W3C) zu gründen. Unter seiner Leitung standardisiert das Gremium bis heute alle Entwicklungen des Web.

Die Spitze des Eisbergs
“Das Web ist nicht fertig, wir sehen nur die Spitze des Eisbergs” sagte Berners-Lee an der Feier im CERN zu den Zukunftsaussichten des Internet. Schwerpunkte seien Initiativen zu mobilen Lösungen, der weitere Ausbau sozialer Netzwerke und die Entwicklung des “Semantic Web” (Web 3.0) zum “Web of Data”. Datenbankinhalte mit Metadaten werden in maschinenlesbarer Form direkt zugänglich und können automatisiert verarbeitet und verknüpft werden.

Gleichzeitig wies Berners-Lee darauf hin, dass 80 Prozent der Weltbevölkerung noch keinen Zugang zum Internet haben und zeigte sich besorgt über eine Reihe von Bedrohungen, insbesondere die automatisierte Erfassung von Benutzerprofilen oder dem Web als Quelle falscher, irreführender Informationen.

Die grösste Herausforderung sei nicht die technische Entwicklung oder die Geschwindigkeit sondern die freie Verfügbarkeit transparenter Informationen und der Schutz der Privatsphäre.

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